Labordiagnostik in unserer Praxis
Präzise Analysen für Ihre Gesundheit und eine individuelle Betreuung
Ihre Gesundheit steht bei uns im Fokus. Labordiagnostik spielt eine entscheidende Rolle bei der Früherkennung von Krankheiten, der Überwachung Ihres Gesundheitszustands und der Entwicklung eines individuellen Behandlungsplans. In unserer Praxis bieten wir Ihnen ein breites Spektrum an labordiagnostischen Untersuchungen. Sprechen Sie uns gern bei Ihrem nächsten Besuch darauf an oder vereinbaren Sie direkt einen Beratungstermin.
Spezialisierte Labordiagnostik & Kompetenznetzwerke
Präzisionsmedizin beginnt mit der richtigen Diagnostik
Eine fundierte Diagnostik ist die Grundlage jeder individualisierten Medizin. Während viele Fragestellungen mit einer klassischen Routinelabordiagnostik beantwortet werden können, erfordern komplexe oder chronische Erkrankungen häufig weiterführende Spezialuntersuchungen.
Insbesondere in den Bereichen Immunologie, Infektiologie, Umweltmedizin, Mikrozirkulationsmedizin, Stoffwechselmedizin, Hormonmedizin und funktionelle Medizin stehen heute hochspezialisierte Analyseverfahren zur Verfügung, die weit über den Umfang einer konventionellen Labordiagnostik hinausgehen.
Aus diesem Grund arbeitet das med³ mit ausgewählten diagnostischen Kompetenzzentren und spezialisierten Referenzlaboratorien im In- und Ausland zusammen. Die Auswahl des jeweiligen Labors erfolgt ausschließlich nach medizinischen Gesichtspunkten und orientiert sich an der individuellen Fragestellung unserer Patientinnen und Patienten.
Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Laborparameter zu bestimmen, sondern diejenigen Untersuchungen auszuwählen, die für die jeweilige diagnostische Fragestellung einen tatsächlichen diagnostischen und therapeutischen Mehrwert bieten.
Unsere diagnostischen Kompetenznetzwerke
Allgemeine und erweiterte Labordiagnostik
Für die internistische Basisdiagnostik sowie weiterführende funktionelle Analysen arbeiten wir unter anderem mit folgenden Laboratorien zusammen:
- IMD Berlin – Immunologie, Infektiologie, Autoimmunität und Spezialdiagnostik
- Ganzimmun – Funktionelle Medizin, Präventionsmedizin und Mikronährstoffdiagnostik
- Biovis Diagnostik – Stoffwechselmedizin, Präventionsmedizin und orthomolekulare Labordiagnostik
- Lab4More – Erweiterte Laboranalytik und Spezialdiagnostik
Immunologie, Infektiologie & chronische Erkrankungen
Bei komplexen infektiologischen oder immunologischen Fragestellungen arbeiten wir – abhängig von der individuellen medizinischen Situation – mit spezialisierten Referenzlaboratorien zusammen, unter anderem:
- DCL – Deutsches Chroniker Labor
- SaniMeus – Spezialdiagnostik chronischer und seltener Infektionserkrankungen
- IMD Berlin
- Lab4More
Gerade bei komplexen chronischen Erkrankungen kann die Zusammenarbeit mit hochspezialisierten Laboren eine differenzierte diagnostische Einordnung ermöglichen.
Umweltmedizin & Toxikologie
Für umweltmedizinische Fragestellungen sowie spezielle Analysen von Umweltbelastungen und Schadstoffen stehen uns unter anderem folgende Laborpartner zur Verfügung:
- Labor E.R.D.E. (Berlin)
- AYUS Laboratory (Schweiz)
- TKM Sub Health Laboratory
Mitochondriale Medizin & Stoffwechseldiagnostik
Für Fragestellungen der mitochondrialen Medizin sowie komplexer Stoffwechselanalysen arbeiten wir unter anderem mit
- MMD Magdeburg (Prof. Dr. König)
zusammen.
Hormon- und Spezialdiagnostik
Für ausgewählte hormonelle Fragestellungen sowie funktionelle Spezialanalysen nutzen wir unter anderem
- RIMKUS®-Referenzlabor
- KEAC (Niederlande) – Spezialdiagnostik bei HPU/KPU und orthomolekularen Fragestellungen
Qualität durch Spezialisierung
Nicht jedes Labor verfügt über dieselbe diagnostische Expertise.
Deshalb wählen wir für jede medizinische Fragestellung gezielt den Laborpartner aus, der auf dem jeweiligen Fachgebiet über die größte Erfahrung und Spezialisierung verfügt.
Diese Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Kompetenzzentren ermöglicht uns eine differenzierte Diagnostik auch bei komplexen, chronischen oder seltenen Erkrankungen.
Unser diagnostisches Verständnis - Präzisionsmedizin beginnt mit dem Verstehen biologischer Zusammenhänge.
Im med³ betrachten wir keinen einzelnen Laborwert isoliert.
Jeder Laborbefund stellt einen wichtigen Baustein innerhalb der medizinischen Diagnostik dar. Erst die Zusammenführung von Anamnese, körperlicher Untersuchung, Labordiagnostik, funktionellen Untersuchungsverfahren sowie ärztlicher Erfahrung ermöglicht eine fundierte medizinische Beurteilung.
Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Untersuchungen durchzuführen, sondern die individuell relevanten diagnostischen Zusammenhänge zu erkennen und daraus ein präzises, patientenorientiertes Behandlungskonzept abzuleiten.
Internationale Zusammenarbeit
Neben den genannten Kompetenzzentren arbeiten wir – abhängig von der jeweiligen medizinischen Fragestellung – mit weiteren spezialisierten Laboratorien im In- und Ausland zusammen.
Diese Vernetzung ermöglicht es uns, auch bei seltenen oder besonders komplexen Fragestellungen auf modernste diagnostische Verfahren und die jeweilige fachliche Expertise spezialisierter Laboratorien zurückzugreifen.
Unser Anspruch
Diagnostik bedeutet für uns mehr als Laborwerte zu bestimmen.
Sie bedeutet, die richtigen Fragen zu stellen, die passende Untersuchung auszuwählen und sämtliche Befunde im medizinischen Gesamtkontext zu interpretieren.
Erst die Verbindung aus moderner Labordiagnostik, funktionellen Untersuchungsverfahren, klinischer Erfahrung und ärztlicher Beurteilung schafft die Grundlage für eine individualisierte Präzisionsmedizin.
Allgemeine Labordiagnostik
Selbstverständlich bieten wir Ihnen in unserer Praxis die klassische hausärztliche internistische Labordiagnostik von Blut, Urin, Stuhl und Sputum an.
Lebendblutmikroskopie (Dunkelfeldmikroskopie) - Das lebende Blut sichtbar machen
Ergänzende Präzisionsdiagnostik im Rahmen der Erfahrungsmedizin
Blut ist weit mehr als ein Transportmedium für Sauerstoff und Nährstoffe. Es verbindet nahezu alle Organe unseres Körpers und spiegelt zahlreiche physiologische Prozesse wider. Veränderungen seiner Zusammensetzung oder seiner zellulären Eigenschaften können Hinweise auf unterschiedliche biologische Zusammenhänge geben.
Die Lebendblutmikroskopie, durchgeführt mittels der Dunkelfeldmikroskopie, ermöglicht die unmittelbare Betrachtung eines frischen Blutstropfens in seinem natürlichen Zustand. Anders als bei der klassischen hämatologischen Labordiagnostik wird das Blut hierbei weder fixiert noch gefärbt, sondern unmittelbar nach der Entnahme mikroskopisch untersucht.
Durch eine spezielle Dunkelfeldbeleuchtung erscheinen die Blutbestandteile hell vor einem dunklen Hintergrund. Dadurch lassen sich Blutzellen sowie deren räumliche Anordnung besonders anschaulich beobachten.
Im med³ verstehen wir die Lebendblutmikroskopie als ergänzende erfahrungsmedizinische Betrachtungsmethode, die moderne internistische Diagnostik sinnvoll ergänzen kann. Sie ersetzt keine anerkannte Labordiagnostik, ermöglicht jedoch häufig einen eindrucksvollen Einblick in das lebende Blut und kann zusätzliche Hinweise für die weitere Diagnostik liefern.
Historischer Hintergrund
Die Lebendblutmikroskopie wurde in Deutschland insbesondere durch den Mikrobiologen und Zoologen Prof. Dr. Günther Enderlein bekannt, der das Verfahren in den 1920er-Jahren weiterentwickelte.
Enderlein verband seine mikroskopischen Beobachtungen mit einem eigenen biologischen Erklärungsmodell, der sogenannten Pleomorphismustheorie. Während die Methode der Dunkelfeldmikroskopie bis heute in der biologischen und komplementären Medizin angewendet wird, werden die theoretischen Schlussfolgerungen Enderleins von der evidenzbasierten Medizin nicht allgemein anerkannt.
Im med³ übernehmen wir deshalb nicht historische Erklärungsmodelle, sondern nutzen die moderne digitale Dunkelfeldmikroskopie als ergänzende Visualisierung biologischer Prozesse und als erfahrungsmedizinischen Baustein innerhalb eines umfassenden diagnostischen Gesamtkonzeptes.
Hochauflösende digitale Mikroskopie
Im med³ arbeiten wir mit einem modernen digitalen Dunkelfeldmikroskop der neuesten Generation.
Durch hochauflösende 4K-Videotechnik und starke optische Vergrößerungen können selbst feinste Strukturen des Blutes in außergewöhnlicher Detailgenauigkeit dargestellt werden.
Die Untersuchung erfolgt gemeinsam mit unseren Patientinnen und Patienten über eine Live-Videoübertragung auf einem großen Monitor. Dadurch lassen sich die beobachteten Strukturen unmittelbar erklären und verständlich besprechen.
Was beobachten wir?
Im Rahmen der Lebendblutmikroskopie betrachten wir unter anderem
- Form und Erscheinungsbild der roten Blutkörperchen
- weiße Blutkörperchen
- Blutplättchen
- das Zusammenspiel der einzelnen Blutbestandteile
- Veränderungen der Zellanordnung
- Auffälligkeiten des Blutpräparates im zeitlichen Verlauf
Darüber hinaus können sich in einzelnen Fällen mikroskopische Strukturen oder Bewegungsmuster zeigen, die aus unserer langjährigen klinischen Erfahrung Anlass zu weiterführenden diagnostischen Fragestellungen geben können.
Hierzu gehören beispielsweise Auffälligkeiten, die eine gezielte infektiologische, immunologische oder hämatologische Spezialdiagnostik sinnvoll erscheinen lassen.
Die Erfahrung macht den Unterschied
Die Interpretation einer Lebendblutmikroskopie beruht in besonderem Maße auf Erfahrung.
Nach vielen Jahren praktischer Tätigkeit beobachten wir gelegentlich mikroskopische Strukturen, die mit spirochätenähnlichen Mikroorganismen oder anderen auffälligen biologischen Strukturen vereinbar sein können.
Die Lebendblutmikroskopie erlaubt jedoch keine sichere Identifikation eines bestimmten Erregers.
Sie kann deshalb weder eine Borreliose noch andere Infektionserkrankungen beweisen oder ausschließen.
Sie kann jedoch – insbesondere bei entsprechender Anamnese und klinischer Symptomatik – Anlass für eine gezielte weiterführende Spezialdiagnostik geben.
Gerade hierin sehen wir ihren größten diagnostischen Nutzen.
Konsequenz für die weitere Diagnostik
Wenn sich aus der Gesamtsituation ein entsprechender Verdacht ergibt, empfehlen wir gegebenenfalls weiterführende Untersuchungen in spezialisierten Laboratorien.
Hier arbeiten wir mit ausgewählten Laboren zusammen, die je nach Fragestellung moderne immunologische, molekularbiologische und infektiologische Untersuchungsverfahren anbieten.
Die Lebendblutmikroskopie dient dabei nicht der endgültigen Diagnosestellung, sondern hilft, individuelle diagnostische Fragestellungen zu entwickeln und weiterführende Untersuchungen gezielt auszuwählen.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Dunkelfeldmikroskopie besitzt innerhalb der biologischen und komplementären Medizin eine lange Tradition.
Die aus den mikroskopischen Beobachtungen abgeleiteten diagnostischen Interpretationen werden von der evidenzbasierten Medizin derzeit nicht allgemein anerkannt. Entsprechend existieren bislang keine wissenschaftlichen Leitlinien, die Diagnosen oder Therapieentscheidungen ausschließlich auf Grundlage einer Lebendblutmikroskopie empfehlen.
Im med³ setzen wir die Untersuchung deshalb ausschließlich als ergänzende erfahrungsmedizinische Betrachtungsmethode ein.
Medizinische Diagnosen und Therapieentscheidungen beruhen grundsätzlich auf der Gesamtheit aller klinischen Befunde sowie auf anerkannten diagnostischen Verfahren.
Lebendblutmikroskopie im med³
Die Lebendblutmikroskopie ist im med³ Bestandteil einer umfassenden internistischen und funktionellen Diagnostik.
Je nach individueller Fragestellung kombinieren wir sie unter anderem mit
- Kapillarmikroskopie zur Beurteilung der Mikrozirkulation,
- Herzfrequenzvariabilitätsanalyse (HRV) zur Untersuchung der vegetativen Regulationsfähigkeit,
- erweiterter Labordiagnostik,
- internistischer Untersuchung,
- sowie weiteren funktionellen Untersuchungsverfahren.
Erst die Zusammenführung aller erhobenen Befunde ermöglicht eine fundierte ärztliche Einordnung und bildet die Grundlage eines individuellen diagnostischen und therapeutischen Konzeptes.
Unser diagnostisches Verständnis. Präzisionsmedizin beginnt mit dem Verstehen biologischer Zusammenhänge.
Im med³ betrachten wir keine einzelne Untersuchung isoliert.
Jede diagnostische Methode liefert einen wichtigen Baustein. Erst das Zusammenspiel aus ausführlicher Anamnese, körperlicher Untersuchung, moderner Labordiagnostik, funktionellen Untersuchungsverfahren und ärztlicher Erfahrung ermöglicht ein umfassendes Verständnis der individuellen Situation.
Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Untersuchungen durchzuführen, sondern die für den einzelnen Menschen relevanten Zusammenhänge zu erkennen und daraus ein individuelles diagnostisches und therapeutisches Konzept abzuleiten.
Kapillarmikroskopie (Nagelfalzdiagnostik) Präzisionsdiagnostik der Mikrozirkulation
Ein Blick auf die kleinsten Blutgefäße des Körpers
Die Nagelfalz-Kapillarmikroskopie ist ein etabliertes, schmerzfreies und nicht invasives Untersuchungsverfahren zur Beurteilung der Mikrozirkulation. Mithilfe eines hochauflösenden digitalen Videokapillarmikroskops werden die feinsten Blutgefäße (Kapillaren) im Bereich des Nagelfalzes direkt sichtbar gemacht und hinsichtlich ihrer Struktur, Dichte und Morphologie analysiert.
Da die Kapillaren an dieser Stelle des Körpers ohne operativen Eingriff unmittelbar betrachtet werden können, erlaubt die Untersuchung einen einzigartigen Einblick in die Mikrozirkulation – also in den Bereich, in dem der Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen und Stoffwechselprodukten zwischen Blut und Gewebe stattfindet.
Die Kapillarmikroskopie ergänzt die internistische und rheumatologische Diagnostik um wertvolle funktionelle Informationen und trägt dazu bei, Veränderungen der kleinsten Blutgefäße frühzeitig zu erkennen.
Warum ist die Mikrozirkulation so wichtig?
Die Mikrozirkulation umfasst die kleinsten Blutgefäße unseres Körpers – Arteriolen, Kapillaren und Venolen.
Hier erfolgt die eigentliche Versorgung aller Organe und Gewebe mit
- Sauerstoff
- Nährstoffen
- Elektrolyten
- Hormonen
- Immunzellen
sowie der Abtransport von Stoffwechselprodukten.
Veränderungen der Mikrozirkulation können bei unterschiedlichen Erkrankungen auftreten und liefern häufig wichtige ergänzende Hinweise für die weitere Diagnostik.
Aus diesem Grund besitzt die Kapillarmikroskopie heute insbesondere in der Gefäßmedizin, Rheumatologie und funktionellen Internistik einen hohen diagnostischen Stellenwert.
Ablauf der Untersuchung
Die Untersuchung erfolgt in ruhiger Atmosphäre und ist vollkommen schmerzfrei.
Nach dem Auftragen eines speziellen Immersionsöls auf den Nagelfalz werden die Kapillaren mit einem hochauflösenden digitalen Videokapillarmikroskop untersucht.
Im med³ erfolgt die Befundung nach einem standardisierten Untersuchungsprotokoll. Dabei werden unter anderem beurteilt:
- Kapillardichte
- Gefäßmorphologie
- Verlauf und Anordnung der Kapillaren
- Erweiterungen der Kapillaren (Ektasien)
- Megakapillaren
- Mikroblutungen
- Zeichen einer Neoangiogenese
- Hinweise auf Veränderungen der Mikrozirkulation
Die Untersuchung dauert in der Regel nur wenige Minuten und kann jederzeit ambulant durchgeführt werden.
Wann kann eine Kapillarmikroskopie sinnvoll sein?
Die Nagelfalz-Kapillarmikroskopie ist heute ein anerkanntes diagnostisches Verfahren und besitzt insbesondere bei der Abklärung des Raynaud-Syndroms sowie bei Verdacht auf systemische Autoimmun- und Bindegewebserkrankungeneinen hohen Stellenwert.
Je nach individueller Fragestellung kann sie darüber hinaus sinnvoll sein bei
- unklaren Mikrozirkulationsstörungen,
- funktionellen Durchblutungsstörungen,
- entzündlich-rheumatischen Erkrankungen,
- Kollagenosen,
- Verlaufskontrollen bekannter Gefäßveränderungen,
- ergänzender internistischer Funktionsdiagnostik.
Die erhobenen Befunde liefern wertvolle ergänzende Informationen im Rahmen einer umfassenden medizinischen Diagnostik.
Die Bedeutung der Untersuchung
Die Kapillarmikroskopie ermöglicht keine Diagnose einer bestimmten Erkrankung allein.
Sie liefert jedoch objektive Informationen über die Struktur und Funktion der kleinsten Blutgefäße und ergänzt damit die klinische Untersuchung, Laborbefunde sowie weitere diagnostische Verfahren.
Im med³ werden sämtliche Befunde grundsätzlich im Zusammenhang mit
- der individuellen Krankengeschichte,
- der körperlichen Untersuchung,
- Laboruntersuchungen
- und gegebenenfalls weiteren bildgebenden oder funktionellen Verfahren
interpretiert.
Erst aus der Gesamtheit aller Befunde entsteht ein medizinisches Gesamtbild, auf dessen Grundlage weitere diagnostische oder therapeutische Entscheidungen getroffen werden.
Kapillarmikroskopie im med³
Im med³ verstehen wir die Kapillarmikroskopie nicht als isolierte Untersuchung, sondern als Bestandteil eines umfassenden diagnostischen Gesamtkonzeptes.
Je nach individueller Fragestellung kann sie sinnvoll mit weiteren Verfahren kombiniert werden, beispielsweise mit
- der Herzfrequenzvariabilitätsanalyse (HRV) zur Beurteilung der vegetativen Regulationsfähigkeit,
- der Gefäß- und Mikrozirkulationsdiagnostik,
- einer erweiterten internistischen Labordiagnostik,
- sowie weiteren funktionellen Untersuchungsverfahren.
Durch diese Kombination entsteht ein differenziertes Bild der individuellen Regulations- und Mikrozirkulationssituation und damit eine fundierte Grundlage für die weitere Therapieplanung.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Nagelfalz-Kapillarmikroskopie ist ein international anerkanntes diagnostisches Verfahren zur Untersuchung der Mikrozirkulation.
Insbesondere in der Rheumatologie ist sie fester Bestandteil der Diagnostik des Raynaud-Syndroms und wird von internationalen Fachgesellschaften zur Abklärung einer systemischen Sklerose empfohlen.
Darüber hinaus gewinnt sie zunehmend Bedeutung in der funktionellen Gefäßdiagnostik und bei der Beurteilung der Mikrozirkulation im Rahmen komplexer internistischer Fragestellungen.
Spezifische Entzündungsdiagnostik
Regulationsstörungen finden und den Körper entlasten
Bei so ziemlich allen Erkrankungen liegt eine akute und/oder chronische Entzündung sowie meistens eine chronische Übersäuerung der Matrix vor. So stellen Entzündungen eine typische körpereigene Reaktion auf diverse Störfaktoren dar und treten bei im Grunde allen Regulationsstörungen und Störungen der Homöostase auf.
Daher ist eine genaue Diagnostik der Entzündung und ihrer Ursachen inkl. ihrer Auswirkungen sowie die Diagnostik des Säure-Basen-Haushaltes von großer Bedeutung.
Entzündungen können durch unzählige Auslöser verursacht werden. Hierzu zählen Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten, zahllose und heutzutage allgegenwärtige Umweltgifte, Fehlernährung (Konservierungsstoffe und chemische Zusatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln und im Essen), Strahlungen verschiedenster Art, Stress, Medikamente und vieles mehr.
Eine Entzündung kann in jedem Gewebe des Körpers auftreten. Am häufigsten sind Entzündungen im Darm (Leaky Gut), im zentralen und peripheren Nervensystem, im Muskel- und Bindegewebe sowie in den Zähnen, den Gelenken, der Schilddrüse, den Nasennebenhöhlen und im Urogenitaltrakt.
Jedoch kann und sollte eine Entzündung nie einzeln betrachtet werden, da jedes Organ für sich allein betrachtet und behandelt nur selten zur Heilung führt. Ein Beispiel aus der Neuraltherapie nach Huneke ist hier etwa, dass häufig bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen auch eine Entzündung im Urogenitaltrakt vorliegt.
Insgesamt muss unsere Aufmerksamkeit jedoch auf das Zusammenwirken der einzelnen Organe gerichtet werden. Wir sind ein ganzer Körper, und eine Entzündung - egal an welchem Ort im Körper - hat stets Auswirkungen auf den ganzen Menschen.
Wissenschaftlich gesichert ist die sogenannte „Darm-Hirn-Achse“ sowie das Zusammenwirken der Schilddrüsenhormone mit den Hormonen der Nebenniere, die wiederum vom Darm beeinflusst werden.
Entzündungsverursacher können sein
- Bakterien
- Viren
- Pilze
- 85.000 alltägliche Umweltgifte
- WLAN-Strahlung (wird von der WHO als Krebsrisiko definiert) bis Bestrahlung bei Krebs
- Genetisch bedingte Neigung zu Entzündlichkeiten (z. B. TNF-alpha Hemmtest)
- Genetisch bedingte Enzymfehler (z. B. 2 Entgiftungsphasen über die GST-M1, GST-T1 & GST-P1)
- Dysbiose und Leaky Gut (Darmflora im Ungleichgewicht)
- Mangel an Vitaminen, Spurenelementen, Mineralien, Enzymen & Aminosäuren
- Gestörter Säure-Basen-Haushalt (Übersäuerung von Matrix und Blut)
- Zahlreiche Lebensmittelzusatzstoffe (proentzündliche Lebensmittel B. moderne Varianten des Glutens)
- Convenience Food, Fast Food
Der Schlüssel zur Ursachenforschung
Alle Organe, ja alle Zellen arbeiten miteinander und sind miteinander verbunden. Ähnlich wie die Zahnräder einer Uhr, die nur dann gut zusammenarbeiten, wenn keines defekt oder in seiner Funktion gestört ist. So werden Entzündungen häufig chronisch und laufen über Jahre unterschwellig ab. Diese Entzündungen köcheln zwar auf kleiner Flamme (sogenannte „silent inflammation“), schwächen den Menschen jedoch maßgeblich und sind wie oben bereits beschrieben für die allermeisten Erkrankungen mitverantwortlich.
So können durch den ständigen Entzündungsreiz Autoimmunerkrankungen, CFS, Mitochondriopathien und vor allem auch chronische Infektionen hervorgerufen werden. Damit ist die „silent inflammation“ maßgeblich an der Entstehung der Volkskrankheiten, insbesondere an den vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beteiligt.
Chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer späteren Krebserkrankung und neurodegenerativen Erkrankungen. Um dieser Kaskade möglichst frühzeitig zu begegnen, ist eine genaue und in die Tiefe gehende Entzündungsdiagnostik sinnvoll und hilfreich. Hierzu messen wir, je nach individueller Krankheitsgeschichte, die verschiedenen pro- und antientzündlichen Systeme detailgenau durch. Latent unterschwellige ältere Infektionen („silent inflammation“) wie auch allgegenwärtige Umweltschadstoffbelastungen spielen hierbei häufig eine Rolle.
Hier liefert die genaue Immundiagnostik einen wichtigen Anhaltspunkt, inwieweit das Immunsystem bereits eine Immuntoleranzstörung (TILT-Syndrom) aufweist.
GPCR-Autoantikörper und Neurotransmitter-Autoantikörper
Autoantikörper an den Schnittstellen von Nervensystem, Kreislauf und Regulation
Autoantikörper können sich gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) sowie weitere autonome, neuronale und synaptische Zielstrukturen richten. Abhängig von Zielstruktur, Testmethode und funktioneller Aktivität können entsprechende Befunde mit Störungen der vegetativen Regulation, des Herz-Kreislauf- und Gefäßsystems, der Atmung, des Magen-Darm-Traktes oder zentralnervösen Beschwerden in Zusammenhang stehen. Bei ausgewählten Fragestellungen – etwa Dysautonomie und POTS, ME/CFS, Long-/Post-COVID oder bestimmten neuroimmunologischen Symptombildern – kann die Untersuchung einen wichtigen und wesentlicher diagnostischen Baustein darstellen.
Die folgenden Schaubilder und PDF-Übersichten erläutern wichtige Rezeptoren, typische Symptomkonstellationen sowie eine gezielte Auswahl relevanter Laborparameter. Nach aktueller Lehrmeinung erlaubt der Nachweis von GPCR-Autoantikörpern allein noch keinen abschließenden Beweis für die Ursache einer Erkrankung. Meines Erachtens ist diese Aussage jedoch differenziert zu betrachten.
Aus meiner ärztlichen Sicht erhält der Befund eine deutlich höhere Aussagekraft, wenn nicht nur die Bindung eines Autoantikörpers, sondern dessen biologische Aktivität funktionell nachgewiesen wird – beispielsweise durch entsprechende biofunktionalles Testverfahren. Ein biologisch aktiver Autoantikörper ist nach meinem Verständnis nicht mehr lediglich ein Laborphänomen, sondern zeigt, dass der betreffende Rezeptor tatsächlich funktionell beeinflusst wird. Physiologisch und naturwissenschaftlich spricht dies aus meiner Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine klinisch relevante, autoimmun vermittelte Regulationsstörung, insbesondere des autonomen Nervensystems und damit für eine GPCR-vermittelte Autoimmunerkrankung.
Bei einer hierzu passenden klinischen Symptomatik – beispielsweise bei ME/CFS, Long-/Post-COVID, POTS oder weiteren GPCR-assoziierten Erkrankungsbildern – betrachte ich den Nachweis biologisch aktiver GPCR-Autoantikörper daher als einen wesentlichen Hinweis auf einen relevanten pathogenetischen Mechanismus. Daraus lässt sich nach meiner Auffassung eine funktionelle Beteiligung dieser Autoantikörper ableiten. Wie stark diese zur individuellen Erkrankung beitragen, kann jedoch unterschiedlich sein und muss stets im Gesamtkontext bewertet werden.
Im med³ erfolgt die Befundinterpretation deshalb immer gemeinsam mit der individuellen Krankengeschichte, dem klinischen Untersuchungsbefund, der Funktionsdiagnostik sowie den übrigen Laborergebnissen. Unser Ziel ist nicht die isolierte Bewertung eines einzelnen Laborparameters, sondern die Einordnung biologisch plausibler Zusammenhänge im Rahmen einer ganzheitlichen und ursachenorientierten Diagnostik.
GPCR-AUTOANTIKÖRPER-GESAMTÜBERSICHT

GPCR-Symptomorientierte-Priorisierung


Genetische Untersuchungen & Epigenetik
Gene und ihre Schalter
Die Epigenetik als Fachgebiet der Biologie befasst sich mit der Frage, welche Faktoren (u.a. Umweltgifte, Traumata etc. pp.) die Aktivität eines Gens und in der Folge die Entwicklung jeder Zelle beeinflussen.
Randy Jirtle, Biologe an der Duke University in Durham, USA, konnte 2003 in Experimenten an genetisch gleichen Mäusen (Yellow-Agouti-Mäusen) Folgendes nachweisen: Wurden sie zwei Wochen vor der Paarung und während der Trächtigkeit mit der Nahrung besonders reich an Methylgruppenlieferanten wie Folsäure, Vitamin B12, Cholin und Betain versorgt, brachten sie schlanke, gesunde und phänotypisch gewöhnliche Mäuse zur Welt. Andernfalls entstand mehrheitlich der übergewichtige gelbe Phänotyp. Die Nährstoffe haben nachweislich Einfluss auf die Transposon-Methylierung und damit auf den Phänotyp der Nachkommen.
Dieses Experiment zeigt, wie ausgeprägt spezielle Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel Einfluss auf die Gene und ihre Ausprägungen (Epigenetik) haben können.
Die Epigenetik weist ebenfalls zweifelsfrei nach, dass alle Umweltgifte entscheidende Gene an- oder auch ausschalten können. Unsere Regulationsfähigkeiten und unsere Immuntoleranz werden hierdurch entscheidend verändert und verursachen Fehler in der ständig ablaufenden Gen-Ablesung. Zusätzlich blockieren Umweltgifte entscheidende Enzyme, welche für unser Stoffwechselgeschehen unerlässlich sind. Umweltgifte führen auf diese tiefgreifende Weise zu versteckten Entzündungen, den sogenannten „silent inflammations“, wie auch zu offenkundigen chronischen Entzündungen. Sie nehmen Einfluss auf unseren Stoffwechsel, es können zudem Autoimmunkrankheiten entstehen und die gestörte Zellgesundheit kann zu Tumor-Erkrankungen und den typischen Zivilisationskrankheiten der Zeit führen.
[1] Robert A. Waterland, Randy L. Jirtle: Transposable elements. Targets for early nutritional effects on epigenetic gene regulation. In: Mol Cell Biol. Band 23, Nr. 15, 2003, S. 5293–5300.
Gene und ihre Varianten
Genetischer Entzündungsgrad – die individuelle Entzündungsbereitschaft besser verstehen
Die genetisch mitbestimmte Neigung zu stärkeren oder länger anhaltenden Entzündungsreaktionen kann mithilfe des sogenannten genetischen Entzündungsgrades differenzierter untersucht werden. Dabei werden insbesondere genetische Varianten in den proinflammatorischen Signalwegen von IL-1A, IL-1B und TNF-α sowie in der körpereigenen entzündungshemmenden Gegenregulation über IL-1RN betrachtet.
Aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren ergibt sich eine Einordnung in unterschiedliche Grade und Subtypen. Diese kann Hinweise darauf geben, ob der Organismus auf Infektionen, operative Eingriffe, Fremdmaterialien, Umweltbelastungen oder andere Entzündungsreize eher normal, mäßig oder besonders ausgeprägt reagiert und wie wirksam die natürliche Gegenregulation funktioniert. Ein höherer genetischer Entzündungsgrad bedeutet dabei nicht automatisch, dass bereits eine Erkrankung vorliegt. Er beschreibt vielmehr eine individuelle Veranlagung, die im Zusammenspiel mit weiteren Belastungsfaktoren klinisch relevant werden kann.
Bei entsprechender medizinischer Fragestellung kann ergänzend ein TNF-α-Hemmtest durchgeführt werden. Dieser kann im individuellen Laboransatz Hinweise darauf geben, welche entzündungshemmenden oder regulierenden Substanzen eine Wirkung auf die TNF-α-Aktivität zeigen und für ein weiterführendes Behandlungskonzept berücksichtigt werden könnten.
Auf dieser Grundlage lassen sich diagnostische und therapeutische Maßnahmen gezielter ausrichten. Ziel ist es, eine übermäßige oder chronisch fortbestehende Entzündungsaktivität frühzeitig zu erkennen, die körpereigene Regulation zu unterstützen und mögliche chronisch inflammatorische oder autoimmune Folgeprozesse nach Möglichkeit zu begrenzen.


GENETISCHER EG-VORDER & RÜCKSEITE
Die Genetik der Entgiftung – Toxikogenetik
Die Verarbeitung und Ausscheidung von Umweltstoffen, Medikamenten und körpereigenen Stoffwechselprodukten ist kein einzelner Vorgang, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels zahlreicher Enzym-, Transport-, Schutz- und Reparatursysteme. Ein Teil dieser Systeme ist genetisch mitbestimmt. Genetische Varianten können dazu beitragen, dass einzelne Stoffwechselwege schneller, langsamer oder in ihrer Kapazität verändert arbeiten.
Der häufig verwendete Begriff „Entgiftung“ ist dabei eine vereinfachte Bezeichnung. Biochemisch geht es unter anderem um die Aufnahme und Umwandlung von Substanzen, deren Biotransformation in Phase I, die Konjugation in Phase II, antioxidative Schutzsysteme, Methylierungsprozesse, die Reparatur möglicher Zell- und DNA-Schäden sowie schließlich Transport und Ausscheidung.
Im med³ arbeiten wir mit verschiedenen spezialisierten genetischen Laboratorien und unterschiedlichen genetischen Panels. Welche Gene untersucht werden, richtet sich nach der jeweiligen medizinischen Fragestellung. Es gibt daher nicht das eine feststehende „Entgiftungspanel“. Die im Folgenden genannten Gene und Enzymsysteme sind typische Beispiele für Bereiche, die im Rahmen einer erweiterten umwelt- und stoffwechselmedizinischen Genetik untersucht werden können.
Phase I – Aktivierung und Biotransformation
Die sogenannte Phase I umfasst vor allem Oxidations-, Reduktions- und Hydrolysereaktionen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Enzyme des Cytochrom-P450-Systems. Sie verstoffwechseln zahlreiche Medikamente, Umweltchemikalien und körpereigene Substanzen.
Zu den je nach Labor und Fragestellung untersuchten Genen können beispielsweise CYP1A1, CYP1A2, CYP2B6 sowie weitere CYP-Gene gehören. Die einzelnen Enzyme besitzen unterschiedliche Substratspektren und sind in unterschiedlichem Ausmaß in Leber und anderen Geweben aktiv.
CYP1A1 ist unter anderem an der Biotransformation verschiedener polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe und anderer Xenobiotika beteiligt. CYP1A2 spielt insbesondere in der Leber eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung zahlreicher Arzneimittel und weiterer Substanzen. CYP2B6 ist ebenfalls am Medikamenten- und Xenobiotikastoffwechsel beteiligt. Die Aktivität solcher Enzyme wird nicht nur genetisch beeinflusst, sondern kann zusätzlich durch Medikamente, Ernährung, Rauchen, Umweltfaktoren und andere Substanzen induziert oder gehemmt werden.
Das Dilemma zwischen Phase I und Phase II
Genau an der Schnittstelle zwischen Phase I und Phase II liegt ein wichtiger umweltmedizinischer Zusammenhang.
Phase I bedeutet nicht automatisch „Entgiftung“ im Sinne einer unmittelbaren Neutralisierung. Bei der enzymatischen Umwandlung können aus einem Ausgangsstoff zunächst reaktivere Zwischenprodukte entstehen. Manche dieser Metaboliten sind biologisch aktiver oder chemisch reaktionsfreudiger als ihre Ausgangssubstanz.
Diese Zwischenprodukte müssen anschließend durch weitere Enzymsysteme verarbeitet, konjugiert, abgepuffert und ausgeschieden werden. Ist die Bildung reaktiver Metaboliten relativ schnell, während die nachgeschalteten Konjugations- und Schutzsysteme weniger leistungsfähig sind, kann theoretisch ein ungünstiges Ungleichgewicht entstehen.
Umgekehrt ist auch eine langsamere Phase I nicht grundsätzlich „schlecht“, da hierdurch bestimmte Ausgangssubstanzen länger im Organismus verbleiben können. Schnell oder langsam bedeutet daher für sich genommen weder günstig noch ungünstig. Entscheidend sind der jeweilige Stoff, die tatsächliche Exposition und das Zusammenspiel der verschiedenen Stoffwechselwege.
Genau darin liegt das eigentliche Dilemma der Entgiftungsgenetik: Nicht ein einzelnes Gen entscheidet über eine vermeintlich „gute“ oder „schlechte“ Entgiftung, sondern das Verhältnis zahlreicher hintereinander und parallel arbeitender Systeme.
Phase II – Konjugation und Vorbereitung der Ausscheidung
In der Phase II werden viele Substanzen oder zuvor entstandene Phase-I-Metaboliten durch Konjugationsreaktionen weiterverarbeitet. Hierzu gehören unter anderem Glutathionkonjugation, Sulfatierung, Glucuronidierung, Acetylierung, Methylierung und verschiedene Aminosäurekonjugationen.
Durch diese Reaktionen verändern sich die chemischen Eigenschaften der betreffenden Moleküle. Häufig werden sie dadurch besser transportierbar und können anschließend über Galle, Darm oder Niere ausgeschieden werden. Allerdings gilt auch hier: Nicht jede Phase-II-Reaktion ist bei jedem Substrat automatisch eine reine Inaktivierungsreaktion. Die Biochemie ist substratabhängig und wesentlich komplexer als das einfache Schema „Phase I schlecht – Phase II gut“.
GSTM1, GSTM3, GSTT1 und GSTP1 – das Glutathionsystem
Ein besonders wichtiger Teil der Phase II sind die Glutathion-S-Transferasen. Zu dieser großen Enzymfamilie gehören beispielsweise GSTM1, GSTM3, GSTT1 und GSTP1.
Glutathion-S-Transferasen koppeln Glutathion an zahlreiche elektrophile Verbindungen und sind dadurch an der Verarbeitung von Fremdstoffen, Arzneimitteln, Umweltchemikalien sowie körpereigenen Produkten oxidativer Prozesse beteiligt. Gleichzeitig stellen sie eine Verbindung zwischen klassischer Biotransformation und zellulärem Schutz vor oxidativen beziehungsweise elektrophilen Belastungen dar.
Bei einigen GST-Genen können neben einzelnen Varianten auch Deletionen oder Unterschiede in der Genkopienzahl vorkommen. Dadurch können bestimmte enzymatische Teilwege fehlen oder in unterschiedlicher Aktivität zur Verfügung stehen. Ein solcher Befund bedeutet jedoch nicht, dass der gesamte Organismus „nicht entgiften kann“. Andere Enzyme besitzen teilweise überlappende Funktionen, und die tatsächliche Stoffwechselkapazität hängt von zahlreichen weiteren Faktoren ab.
Gerade deshalb betrachten wir GST-Befunde nicht isoliert, sondern möglichst im Zusammenhang mit weiteren Phase-I- und Phase-II-Enzymen, dem Glutathionstoffwechsel, oxidativem Stress und der tatsächlichen Expositionssituation.
SULT1A1 – Sulfatierung
Sulfotransferasen übertragen Sulfatgruppen auf zahlreiche körperfremde und körpereigene Moleküle. SULT1A1 gehört zu den häufig untersuchten Enzymen dieses Stoffwechselweges.
Das Enzym ist unter anderem am Stoffwechsel phenolischer Verbindungen, verschiedener Xenobiotika, Hormone und weiterer biologisch aktiver Moleküle beteiligt. Auch hier können genetische Unterschiede die Aktivität des Enzyms beeinflussen.
Die Sulfatierung ist damit ein weiterer wichtiger Baustein der Phase-II-Biotransformation. Gleichzeitig zeigt gerade dieses System, warum vereinfachende Aussagen problematisch sind: Abhängig vom jeweiligen Substrat kann eine Sulfatierung sowohl der weiteren Ausscheidung dienen als auch einen biologisch aktiven Metaboliten hervorbringen.
NAT2 – Acetylierung
NAT2 kodiert die N-Acetyltransferase 2 und ist an der Verarbeitung verschiedener aromatischer Amine, Hydrazine, Arzneistoffe und weiterer chemischer Verbindungen beteiligt.
Aufgrund genetischer Unterschiede können Menschen hinsichtlich bestimmter NAT2-abhängiger Stoffwechselvorgänge vereinfacht als langsamere, intermediäre oder schnellere Acetylierer eingeordnet werden. Diese Einteilung besitzt insbesondere in der Pharmakogenetik Bedeutung.
Auch hier ist ein schneller Stoffwechsel nicht grundsätzlich günstiger als ein langsamer. NAT2 kann – abhängig von der jeweiligen Substanz – sowohl an Inaktivierungs- als auch an Aktivierungsreaktionen beteiligt sein. Die klinische Bedeutung muss deshalb immer substratbezogen interpretiert werden.
MTHFR – Folatstoffwechsel, Homocystein und Methylierung
MTHFR gehört streng genommen nicht zu den klassischen Phase-I- oder Phase-II-Entgiftungsenzymen. Das Gen ist dennoch häufig Bestandteil erweiterter Stoffwechsel- und Umweltmedizin-Panels, weil es eine wichtige Schnittstelle des Folat- und Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsels darstellt.
Das MTHFR-Enzym ist an der Bildung von 5-Methyltetrahydrofolat beteiligt. Dieses wird für die Remethylierung von Homocystein zu Methionin benötigt. Dadurch besteht eine enge Verbindung zum Methioninzyklus und zur Bereitstellung von Methylgruppen für zahlreiche biologische Reaktionen.
Methylierung ist unter anderem für DNA- und Genregulation, Neurotransmitterstoffwechsel, Phospholipidstoffwechsel und zahlreiche enzymatische Reaktionen bedeutsam. MTHFR sollte dennoch nicht mit der gesamten „Methylierungsfähigkeit“ des Organismus gleichgesetzt werden. Es handelt sich um einen wichtigen Knotenpunkt innerhalb eines wesentlich größeren Stoffwechselnetzwerkes.
Für eine sinnvolle Interpretation können deshalb zusätzlich funktionelle Laborparameter wie Homocystein, Folat, Vitamin B12 und weitere Cofaktoren von Bedeutung sein.
COMT – Catecholamine, Catechol-Östrogene und Methylgruppen
COMT kodiert die Catechol-O-Methyltransferase. Dieses Enzym überträgt eine Methylgruppe aus S-Adenosylmethionin auf sogenannte Catecholstrukturen.
Zu den physiologisch wichtigen Substraten gehören unter anderem Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin. Darüber hinaus ist COMT am Stoffwechsel von Catechol-Östrogenen und weiteren Catechol-Verbindungen beteiligt.
Damit verbindet COMT mehrere für die funktionelle Medizin interessante Bereiche: Neurotransmitterstoffwechsel, Stressregulation, hormonellen Stoffwechsel und Methylierungsbiochemie.
Auch bei COMT bestimmt der Genotyp allein nicht die tatsächliche aktuelle Enzymleistung. Verfügbarkeit von Methylgruppen, Stoffwechselsituation, hormonelle Faktoren sowie weitere regulatorische Einflüsse wirken mit.
SOD2 – mitochondrialer Schutz vor oxidativem Stress
SOD2 ist kein klassisches „Entgiftungsgen“ der Phase I oder II, sondern gehört zu den wichtigsten mitochondrialen Schutzsystemen gegen oxidativen Stress.
Bei der mitochondrialen Energiegewinnung entstehen physiologischerweise reaktive Sauerstoffverbindungen. SOD2 kodiert die mitochondriale Mangan-Superoxiddismutase, welche Superoxidradikale in Wasserstoffperoxid und Sauerstoff umwandelt.
Damit bildet SOD2 eine wichtige erste Verteidigungslinie gegen oxidativen Stress innerhalb der Mitochondrien. Das entstandene Wasserstoffperoxid muss anschließend durch weitere antioxidative Systeme wie Glutathionperoxidasen und Katalase weiterverarbeitet werden.
Auch hier zeigt sich erneut das Prinzip der Stoffwechselketten: Die Betrachtung eines einzelnen Enzyms reicht häufig nicht aus. Entscheidend ist, ob die vor- und nachgeschalteten Systeme miteinander Schritt halten können.
OGG1 – Reparatur oxidativer DNA-Schäden
OGG1 erweitert die Betrachtung noch um eine weitere Ebene. Hier geht es nicht primär um die Verarbeitung eines Umweltstoffes, sondern um die Reparatur möglicher biologischer Folgen oxidativer Belastungen.
Reaktive Sauerstoffverbindungen können Bestandteile der DNA oxidativ verändern. Eine typische oxidative DNA-Läsion ist 8-Oxoguanin. Das durch OGG1 kodierte Enzym erkennt und entfernt diese geschädigte Base und leitet damit einen Reparaturprozess der sogenannten Basenexzisionsreparatur ein.
OGG1 steht damit gewissermaßen am anderen Ende der Kette: Während Phase-I- und Phase-II-Enzyme Stoffe verarbeiten und antioxidative Systeme reaktive Sauerstoffverbindungen begrenzen sollen, gehört OGG1 zu den Reparaturmechanismen, die bereits entstandene oxidative DNA-Veränderungen korrigieren.
Gerade in einer erweiterten umweltmedizinischen Betrachtung kann es deshalb sinnvoll sein, nicht ausschließlich klassische Entgiftungsenzyme zu betrachten, sondern auch genetische Systeme der antioxidativen Abwehr und Zellreparatur einzubeziehen.
APOE – Lipidstoffwechsel und erweiterter metabolischer Kontext
APOE wird in einigen erweiterten genetischen Panels ebenfalls untersucht, gehört jedoch nicht zu den klassischen Entgiftungsgenen.
Apolipoprotein E spielt eine zentrale Rolle beim Transport und Stoffwechsel von Lipiden und Lipoproteinen. Je nach Fragestellung kann die genetische APOE-Konstellation zusätzliche Informationen über den individuellen Lipid- und Stoffwechselkontext liefern.
APOE sollte deshalb innerhalb einer Entgiftungsgenetik nicht als klassisches Phase-I- oder Phase-II-Enzym dargestellt werden, sondern als ergänzender genetischer Marker, dessen Bedeutung sich aus der jeweiligen medizinischen Fragestellung ergibt.
Weitere genetische Systeme
Je tiefer die Fragestellung geht, desto umfangreicher können genetische Untersuchungen werden. Je nach Labor können neben den genannten Beispielen weitere Cytochrom-P450-Enzyme, Glutathion-S-Transferasen, Enzyme der Glucuronidierung, Sulfatierung und Acetylierung, Redox- und antioxidative Systeme, Methylierungswege, DNA-Reparaturenzyme sowie Transportproteine untersucht werden.
Welche Kombination sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Frage beantwortet werden soll. Deshalb verwenden wir im med³ bewusst unterschiedliche genetische Laboratorien und Panels und wählen die Untersuchung entsprechend der jeweiligen medizinischen Situation aus.
Genetik ist Veranlagung – nicht automatisch Funktion
Ein wichtiger Punkt bei jeder genetischen Untersuchung ist die Unterscheidung zwischen Genotyp und tatsächlicher Funktion.
Die DNA zeigt eine grundsätzlich vorhandene genetische Ausstattung. Sie zeigt jedoch nicht automatisch, wie stark ein bestimmtes Enzym zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich arbeitet. Enzymaktivitäten werden zusätzlich durch Epigenetik, Alter, Ernährung, Mikronährstoffe, Medikamente, Hormone, Entzündungen, Rauchen, Umweltbelastungen, Leber- und Nierenfunktion sowie zahlreiche weitere regulatorische Einflüsse bestimmt.
Ein genetischer Befund kann deshalb eine erhöhte oder verminderte Stoffwechselneigung anzeigen, ersetzt aber weder eine aktuelle Belastungsdiagnostik noch funktionelle Laboruntersuchungen.
Gerade diese Unterscheidung ist für uns wesentlich: Wir behandeln keinen einzelnen genetischen Polymorphismus. Wir versuchen zu verstehen, welche Bedeutung eine genetische Konstellation innerhalb des gesamten biologischen Systems tatsächlich besitzt.
Bedeutung in der Umweltmedizin
Besonders interessant wird die Toxikogenetik dann, wenn eine genetisch mitbestimmte Stoffwechselkonstellation auf eine relevante tatsächliche Belastung trifft.
Ein Mensch kann genetische Varianten bestimmter Entgiftungs- oder Schutzsysteme tragen und sein Leben lang klinisch völlig unauffällig bleiben. Treffen jedoch mehrere ungünstige Faktoren zusammen – beispielsweise hohe oder langjährige Expositionen, eingeschränkte Konjugationswege, hoher oxidativer Stress, Mikronährstoffmängel, chronische Entzündungen oder zusätzliche Regulationsstörungen – kann die individuelle Belastungsgrenze möglicherweise früher erreicht werden.
Bei komplexen umweltmedizinischen Erkrankungsbildern, MCS oder einem TILT-Modell kann die Genetik deshalb einen Teil der individuellen Vulnerabilität erklären. Sie stellt jedoch weder allein die Diagnose noch erklärt sie für sich genommen die gesamte Erkrankung.
Der entscheidende Punkt: das Zusammenspiel verstehen
Die frühere Vorstellung, die Entgiftungsleistung eines Menschen anhand eines einzigen GST-Gens oder einer einfachen Prozentrechnung bestimmen zu können, greift aus heutiger Sicht zu kurz.
Entscheidend ist die gesamte Kette:
Aufnahme und Exposition → Phase-I-Biotransformation → mögliche Bildung reaktiver Zwischenprodukte → Phase-II-Konjugation → antioxidative Abwehr → Transport und Ausscheidung → Reparatur möglicherweise entstandener Zell- und DNA-Schäden.
Genetische Untersuchungen können helfen, innerhalb dieser Kette mögliche Schwachstellen, Besonderheiten oder Kompensationsmöglichkeiten zu erkennen. Je komplexer die Krankheits- oder Belastungssituation ist, desto wichtiger wird die gemeinsame Betrachtung mit Umwelt- und Schadstoffdiagnostik, Mikronährstoffen, oxidativem Stress, mitochondrialer Funktion, Entzündungsparametern, Leber- und Nierenfunktion sowie der ausführlichen klinischen Anamnese.
Im med³ verstehen wir die Entgiftungsgenetik deshalb nicht als starres Testsystem, sondern als einen möglichen Baustein einer tiefergehenden funktionellen und umweltmedizinischen Diagnostik. Ihr besonderer Wert liegt darin, biologische Zusammenhänge verständlicher zu machen und bei entsprechender Fragestellung gezielter entscheiden zu können, welche weiterführende Diagnostik sinnvoll ist und welche Regulations- und Stoffwechselwege besondere Aufmerksamkeit benötigen.
HLA-Typisierung bei Spätborreliose
Es existiert eine Vielzahl genetisch unterschiedlicher HLA-Typen, die mit Unterschieden in der individuellen Immunantwort auf Borrelien sowie möglicherweise auch mit einem unterschiedlichen Ansprechen auf eine antibiotische Therapie assoziiert sein können. Dabei zeigen sich unter anderem Unterschiede in der Ausbildung Borrelien-spezifischer Antikörper – von einer verminderten Seroreaktivität bis hin zu ausgeprägten Antikörperantworten.
Eine zusammenfassende Übersicht bisher beschriebener HLA-Assoziationen zeigt unter anderem:
- Mit antibiotikatherapierefraktären beziehungsweise persistierenden Verläufen der Lyme-Borreliose wurden insbesondere DR1 (DRB101:01), DR2 (DRB115:01) und DR4 (DRB1*04:01, *04:02) in Verbindung gebracht.
- Bei Patienten mit nachgewiesener Borrelieninfektion, jedoch verminderter Bildung Borrelien-spezifischer Antikörper, wurden insbesondere verschiedene DR1-Allele beschrieben, darunter DRB1*01:01, *01:02, *01:04 und *01:05.
Die HLA-Typisierung kann damit bei ausgewählten Fragestellungen einen ergänzenden Baustein der spezialisierten genetischen und immunologischen Diagnostik darstellen. Die Interpretation erfolgt stets im Zusammenhang mit Klinik, Infektionsdiagnostik und individueller Krankheitsgeschichte.
Spezifische Darm- und Leaky Gut-Diagnostik
Das Leaky-Gut-Syndrom
Beim Syndrom des durchlässigen Darms ist die Barrierefunktion der Schleimhaut des Dünndarms gestört. Infolgedessen können Bakterien und Toxine aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen und eine chronische systemische Entzündung sowie Autoimmunerkrankungen fördern bzw. aufrechterhalten.
Zusätzlich ist die Aufnahme relevanter Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente und auch die Produktion sezernierter Enzyme, wie z.B. die für den Abbau von Histamin wichtige Diaminooxidase oder die Laktase, vermindert.
Ursächlich für das Leaky-Gut-Syndrom sind entweder eine erhöhte Durchlässigkeit der tight junctions oder eine strukturelle bzw. funktionelle Schädigung der Darmepithelien selbst.
Eine gestörte Darmbarriere ist für Darmerkrankungen, aber auch andere systemisch entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Migräne, Autismus, ADHS, Depressionen, Multiple Sklerose oder chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) beschrieben.
Tatsächlich ist die Wichtigkeit eines gesunden Darms für die Aufrechterhaltung der Homöostase seit Jahrhunderten in der Erfahrungsheilkunde bekannt. So gilt der Darm seit langem in der traditionellen europäischen Medizin (ECM) als Zentrum der Gesundheit und der Immunkompetenz. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) gilt der Darm als die Ursache der Tausend (als Synonym für „alle“) Krankheiten.
Abgesehen von entzündlichen Darmerkrankungen ist die Pathogenese der Darmpermeabilitätsstörung vielschichtig. Eine bakterielle Fehlbesiedlungen (Dysbiose) des Darms ist jedoch fast immer assoziiert. Verursacht oder zumindest mitverursacht werden kann das Leaky-Gut-Syndrom z.B. durch Infektionen, Schwermetallbelastungen, Medikamente (Schmerzmittel, Antibiotika u.a.), Alkohol, Stress und viele andere.
Labordiagnostische Nachweise im Serum (Blut):
- Intestinal-fatty acid binding protein (I-FABP) kommt im Zytoplasma von Darmepithelzellen vor. Es vermittelt die Aufnahme von Fettsäuren. I-FABP ist zu 100 % für den Darm spezifisch. Wird das Darmepithel geschädigt, wird I-FABP in die Zirkulation freigesetzt und ist im Serum (Blut) messbar.
- Zonulin ist ein alternativer Blutmarker für das Leaky-Gut-Syndrom und kann sowohl im Blut als auch im Stuhl nachgewiesen werden, wobei die Diagnostik im Stuhl etwas vorteilhafter gegenüber der Bestimmung im Serum ist. Bestimmte Bakterien triggern im Darmepithel die Zonulin-Freisetzung, weshalb ein hoher Zonulinspiegel als Marker für das Leaky-Gut-Syndrom gilt.
- I-FABP- und Zonulin-Spiegel können deutlich differieren. Zonulin wird von Dünndarmepithelzellen unter der Voraussetzung einer Entzündung und einer Mindestmenge an intakten Darmepithelzellen produziert. I-FABP liegt immer in ausreichender Menge präformiert in den Darmepithelzellen vor. Es ist nicht inflammatorisch kontrolliert, sondern tritt bei jeder strukturellen Schädigung des Darmepithels ins Blut über. So steigt Zonulin vorrangig in der Initialphase entzündlich bedingter intestinaler Veränderungen, während es sich in der chronischen Phase normalisieren kann. I-FABP ist hiervon nicht betroffen.
Labordiagnostische Nachweise im Stuhl:
- ⍺1-Antitrypsin ist ein in der Leber gebildetes Protein, das nur bei gestörter Darmbarriere in den Stuhl übertritt. Erhöhte Werte im Stuhl weisen relativ spezifisch ein schweres Defizit der intestinalen Barriere nach. Bei leichteren Barrieredefekten ist ⍺1-Antitrypsin nicht sensitiv.
- Vielfach genutzt wird auch das sIgA und Calprotectin. Das sind allerdings primäre Entzündungsmarker, weshalb sie bei ischämisch-, Stress- oder toxisch-bedingtem Leaky-Gut-Syndrom kaum ansteigen.
- Die Bestimmung von Zonulin im Stuhl sollte der Bestimmung im Serum (Blut) vorgezogen werden. Die Zonulinwerte schwanken in Abhängigkeit von der Stuhlpassagezeit und der Proteasenaktivität im Stuhl relativ stark.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
Einteilung der Nahrungsmittelunverträglichkeit
Der Begriff Nahrungsmittelunverträglichkeit ist ein Überbegriff für unerwünschte Beschwerden im Zusammenhang mit der Aufnahme von Nahrungsmitteln. Er ist nicht gleichzusetzen mit dem Begriff der Nahrungsmittelallergie.
Nicht immunologische Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Enzymdefekte: Laktoseintoleranz, Fruktoseintoleranz, Histaminintoleranz etc. pp.
- Malabsorption: z. B. Fruktosemalabsorbtion
Immunologisch Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Nahrungsmittelallergie vom Soforttyp (Allergie Typ I), vom Spättyp (Typ 4) oder Kreuzallergien, z.B. zu Inhalationsallergenen
Autoimmunologisch
- Zöliakie & Glutenataxie
Pseudoallergisch
- Nahrungsmittelzusatzstoffe
Die nicht immunologisch vermittelten Reaktionen machen den größeren Anteil aller unerwünschten Reaktionen auf Lebensmittel aus. Sie sind entweder Folge eines Enzymmangels, bei dem in der Nahrung enthaltene Kohlenhydrate nicht adäquat verdaut werden, oder sie haben ihre Ursache in einer Resorptionsstörungen (Malabsorptionen). Hierbei werden die Kohlenhydrate nur teilweise im Dünndarm resorbiert und gelangen dann in tiefere Darmabschnitte, wo sie zum einen osmotisch wirksam sind und zum anderen durch bakterielle Zersetzung zu Flatulenz (Winde) und Diarrhoe (Durchfall) führen. Bei diesen Unverträglichkeitsreaktionen spielt das Immunsystem keine Kernrolle.
In der europäischen Bevölkerung stellen Laktose-, Fruktose- und Histaminunverträglichkeit die häufigsten Störungen der Verdauung dar.
Bei den immunologisch vermittelten Nahrungsmittelunverträglichkeiten können zwar alle Komponenten der aufgenommenen Nahrung vom Organismus verdaut und resorbiert werden, einzelne Nahrungsmittelbestandteile führen aber zu einer Aktivierung des Immunsystems. Die Immuntoleranz ist gestört und die Immunreaktion ähnelt der Reaktion im Rahmen „Abwehr von Erregern“.
Immunsystemuntersuchungen
Zellulärer Immunstatus
Der quantitative zelluläre Immunstatus gibt Auskunft über die numerischen Verhältnisse und den Aktivierungszustand der Immunzellen im Blut. Er gibt Auskunft über aktive Immunprozesse bei chronischen Infektionen, Autoimmunopathien oder Malignomen und ist damit ein wichtiges Werkzeug in der richtigen Therapiefindung.
Stoffwechselanalyse
Hierzu gehören die erweiterte Schilddrüsendiagnostik, die Hormondiagnostik inkl. Abklärung der Nebennierenrinde, z.B. mit Cortisol Tagesprofil oder Cortisol-DHEA Tagesprofil, sowie die Untersuchung bzgl. Neurostress (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin & Serotonin).
Bei Bedarf kann auch der NT-TRP-Metabolismus (Neurotransmitter-Tryptophan-Metabolismus) untersucht werden, der neben einem Einblick in die Katecholamine und Serotonin auch Einblick in den Tryptophanstoffwechsel gibt. Diese wiederum reguliert wichtige neurochemische Funktionen sowie Teile des Immunsystems.
Weitere Untersuchung im Zusammenhang der Stoffwechselanalyse:
- Untersuchung auf Störungen der mitochondrialen Energieproduktion (Citratcyklus)
- Erfassung des oxidativen Stresses und weitere.
Mikronährstoffdiagnostik
Mikronährstoffe stellen einen wesentlichen Anteil zur Aufrechterhaltung unserer Regenerationsfähigkeit und Homöostasefähigkeit dar. Zu den Mikronährstoffen zählen Mineralien, Vitamine, Antioxidantien, Aminosäuren, Fettsäuren, Co-Enzyme, Bioflavonoide sowie eine Vielzahl weiterer Substanzen.
Eine Übersicht der wesentlichen Mikronährstoffe
Wasserlösliche Vitamine:
- B-Vitamine: Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B3 (Niacin), Vitamin B5 (Pantothensäure), Vitamin B6 (Pyridoxin), Vitamin B9 (Folsäure), Vitamin B12 (Cobalamine) und Vitamin B7 bzw. H (Biotin)
- Vitamin C
Fettlösliche Vitamine:
- Vitamin A (Retionole)
- Vitamin D (Calciferole)
- Vitamin E (alpha- beta- gamma- delta-Tocopherol und Tocotrienole)
- Vitamin K (Phyllo-Menachinon)
Mineralstoffe (Mengen- und Spurenelement):
- Mengenelemente: Calcium, Magnesium, Kalium, Natrium, Phosphor und Schwefel
- Spurenelemente: Selen, Jod, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan, Bor, Molybdän, Folsäure Nickel, Chrom u. a.
Aminosäuren:
- essentielle Aminosäuren: Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin
- bedingt essentielle Aminosäuren: Arginin, Cystein, Glutamin, Serin, Tyrosin, Taurin und Glycerin
- nicht essentielle Aminosäuren: Alanin, Asparagin, Asparaginsäure, Glutaminsäure, Glycin, Prolin und Ornithin
Fettsäuren:
- essentielle Fettsäuren: alpha-Linolensäure (ALA / Omega-3-FS), Eicosapentaensäure (EPA / Omega-3-FS), Docosahexaensäure (DHE / Omega-3-FS, Linolsäure (Omega-6-FS), Arachidonsäure (Omega-6-FS), Ölsäure (Omega-9FS)
Antioxidantien:
- Beta-Carotin, OPC (Resveratrol), Flavonoide, Anthocyane, Lycopin, Zeaxanthin, Coenzym Q10 und Allicin.
Hormonanalyse
Humanidentische Hormonersatztherapie
Hormone spielen bei Frauen wie Männern in jedem Lebensalter eine wichtige Rolle für die Gesundheit sowie bei der Entstehung von Krankheiten. Das hormonelle Gleichgewicht ist von enormer Wichtigkeit für unser Wohlbefinden. Hormone kontrollieren übergeordnet viele Organfunktionen und beeinflussen jede Zelle unseres Körpers. Hormonstörungen sind damit sehr häufig eine primäre Ursache von Krankheiten bzw. Regulationsblockaden.
Folgende Krankheitsbilder sind häufig direkt oder begleitend auf Störungen im Hormonhaushalt zurückzuführen:
- Wechseljahresbeschwerden von Frauen (Menopause)
- Wechseljahresbeschwerden von Männern (Andropause/Klimakterium virile)
- Adipositas (Übergewicht, Fettleibigkeit)
- Asthma
- ADHS
- Burn-out-Syndrom, Erschöpfung, Müdigkeit
- Depression, Anpassungsstörung, Panikstörung
- Diabetes
- Endometriose
- Fibromyalgie
- Hyperhidrosis (=übermäßiges Schwitzen)
- Migräne, Kopfschmerzen
- Myome
- Nebenniereninsuffizienz, chron. Erschöpfungssyndrome
- psychosomatische Krankheitsbilder
- Schilddrüsenfunktionsstörungen wie z. B. Autoimmunthyreoiditis Hashimoto
- Zysten
Um eine adäquate Diagnostik bzgl. Ihres Hormonstatus zu erheben, arbeiten wir mit dem Rimkus-Referenzlabor (Labor Rosler) zusammen. Nach entsprechender Diagnostik und Erhebung Ihres Hormonstatus kann eine individuell an Ihre Bedürfnisse angepasste Hormonersatztherapie mit humanidentischen Hormonen (Hormone ohne chemische Veränderungen) für Sie in einer vom Hormon-Netzwerk verifizierten Apotheke hergestellt werden.
Referenzwerte nach Rimkus® (Norm-Ziel-Werte)
Umweltgiftdiagnostik
Die Geisel der Industrialisierung
Umweltgifte sind allgegenwärtig und unvermeidbar, ob sichtbar oder unsichtbar. Sie sind in Geruch, Farbe und Geschmack oft nicht wahrnehmbar. Seit Beginn der Industrialisierung hat der Mensch mehr als 55.000.000 (55 Millionen) neue Substanzen in unsere Umwelt eingebracht. Viele davon sind außerordentlich toxisch und von den meisten sind die Auswirkungen auf unser Ökosystem und damit auf uns Menschen noch zum größten Teil ungeklärt. Sie können harmlos erscheinen, jedoch - in unseren Organismus gelangt - können sie unsere Gen-Steuerung (Epigenetik) und unsere Stoffwechselvorgänge beeinflussen. Sie behindern unsere Regulationsmechanismen und verursachen oftmals latent unterschwellige, dauerhafte Entzündungen („silent inflammation“). So ziemlich alle Umweltgifte schädigen letztlich unser Immunsystem. Hier liegt ein wesentlicher Schlüssel zu zahlreichen Krankheiten, insbesondere den chronischen. So ist die Zunahme der Krebserkrankungen und auch ganz besonders der Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahrzehnten zu einem großen Teil der zunehmenden und inzwischen unvermeidbaren Umweltbelastung geschuldet. Lediglich die Umweltmedizin und einige wenige engagierte Mediziner widmen sich diesem Massenproblem. So wird heute jeder Mensch mit zahllosen Alltagsgiften konfrontiert, mit über die Jahre steigender Belastung. Damit spielen bei den heutigen chronischen Krankheiten Umweltgifte oftmals eine zentrale Rolle und den Schlüssel zu einer möglichen Heilung. Eine Analyse der individuellen Belastung ist daher nicht nur sinnvoll, sondern außerordentlich hilfreich, um die Krankheitsursache zu analysieren und effektiv behandeln zu können.
Die häufigsten, wichtigsten und bedrohlichsten Schadstoffe der Menschheit werden von der US-Umweltschutzbehörde EPA in einer Rangliste bewertet. Dabei werden von den Millionen von Giften die 250 wichtigsten und im Alltagsleben am häufigsten vorkommenden in Bezug auf Verbreitung und Giftigkeit ausgewählt. Die Spitzenreiter der Cercla Liste (Comprehensive Environmental Response, Compensation, and Liability Act) sind: Metalle und insbesondere Schwermetalle wie Arsen, Blei und Quecksilber, Cadmium und immer mehr auch Aluminium, aber auch PVC (Polyvinylchlorid), PCB (polychlorierte Biphenyle), PAH (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und das Insektenvernichtungsmittel DDT (in Europa verboten, im Rest der Welt jährlich in dreistelligen Millionen-Tonnen versprüht).
Hinzu kommen die oft unterschätzten Alltagsgifte. Denn auch Metalle wie Silber, Platin, Palladium, Gold (Zahngold), Thallium, Nickel, Beryllium oder das radioaktive Uran spielen eine bedeutende Rolle bei unzähligen Krankheiten. So verstärkt sich die potentielle Giftigkeit von Alltagsgiften wie Silber, Gold, Palladium, Platin, Aluminium, Cadmium, Eisen, Kupfer, Titan oder Nickel um ein Vielfaches beim Vorliegen einer chronischen Quecksilber- oder Bleibelastung des Körpers. Da bei fast jedem Menschen eine chronische Blei- und Quecksilberbelastung vorliegt, zeigt sich hier die Relevanz deren Elimination unter geleichzeitiger Berücksichtigung der Alltagsgifte. So lässt es sich nur auf eine Form der Ignoranz zurückführen, wenn Umweltgifte in der modernen Medizin ignoriert werden.
Ein ganz anderes und neues Kapitel der Umweltbelastungen stellt das Mikroplastik dar, welches nicht nur durch seine hormonähnliche Wirkung (endokrine Disruptoren) zu schweren gesundheitlichen Beschwerden führen kann: Die INUSpherese® stellt hier eine weltweit einmalige Möglichkeit zur Entlastung des menschlichen Organismus dar.
